Leichte Verbesserung unter schwierigen Rahmenbedingungen




Arverio Baden-Württemberg nimmt Stellung zum Qualitätsranking 1. Halbjahr 2025 des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg.

 

 

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg veröffentlichte auf der bwegt-Website das SPNV-Qualitätsranking für das erste Halbjahr 2025, am 9.1.2026 wurde zudem eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Arverio Baden-Württemberg sieht sich auf einem guten Weg zur Verbesserung, wenngleich auf einem niedrigen Niveau. In allen drei Netzen konnten in der Gesamtbewertung mehr Punkte erreicht werden. Das Netz Rems/Fils kletterte von Platz 30 auf Rang 20, Netz Franken/Enz stieg von Platz 31 auf Rang 25, das Netz 3a Murr von Platz 32 auf Rang 31. Arverio-Geschäftsführer Arno Beugel freut sich über die stark verbesserten Werte bei der Zuverlässigkeit, die sich in Netz Rems/Fils (MEX 13 + 16) sowie Netz Franken/Enz (RE 1+ RE 8) zeigten.

Arverio Baden-Württemberg fährt mit seinen Linien in einem hochbelasteten und von vielen Infrastrukturstörungen heimgesuchten Netz rund um Stuttgart. Das Unternehmen ist Teil des Jahrhundertprojekts Stuttgart 21, und damit einer riesigen Verkehrsumstellung. Generell schneiden alle Linien aller Eisenbahnunternehmen, die Stuttgart tangieren, aufgrund der massiven externen Herausforderungen schlechter ab als andere Netze. Die Probleme im täglichen Betrieb, die sich aus der Infrastruktur (z. B. Weichen-, Stellwerks-, Bahnübergangs- und Oberleitungsstörungen), dem überlasteten Knotenbahnhof Hauptbahnhof Stuttgart, sowie aus der Vielzahl der Baustellen ergeben, kann Arverio nicht beeinflussen. Eingleisige Streckenabschnitte haben zur Folge, dass sich jede kleine Verspätung zu großen Verspätungen und Folgeverspätungen aufbaut (z.B. Backnang – Schwäbisch Hall-Hessental, Goldshöfe – Crailsheim, Möckmühl – Züttlingen). Dasselbe gilt für Überholungen durch den verspätungsanfälligen Fernverkehr der DB und sogar durch priorisierte Güterzüge.

Begleitend zum aktuellen Qualitätsranking möchte Arverio einige ergänzende Daten zum besseren Verständnis vorlegen.

PÜNKTLICHKEIT

Bei der Berechnung der Pünktlichkeit kann man unterscheiden zwischen der Rohpünktlichkeit (alle Verspätungsursachen inklusive eigenverschuldete sowie extern und fremdverschuldet verursachte Verspätungen) und der Eigenpünktlichkeit, welche die selbst verursachten Verspätungsgründe darstellt. Da in diesem Jahr der Wert der selbst verursachten Verspätungen und der Wert der Verspätungen mit externen Ursachen sehr stark auseinanderdriften, stellt Arverio dies in den nachstehenden Grafiken dar. Dies zeigt, wie gering der Einfluss des Eisenbahnverkehrsunternehmens bei der Pünktlichkeit tatsächlich ist. Selbstverständlich ist sich Arverio bewusst, dass jegliche Verspätungen für die Fahrgäste ärgerlich sind, unabhängig vom Verursacher.

Eigenpünktlichkeit vs. Rohwert

Rems/Fils (MEX 13 / MEX 16)

Basis 3:59 min Pünktlichkeit (Quelle: Arverio BW)

Franken/Enz (RE 1 / RE 8)

Basis 3:59 min Pünktlichkeit (Quelle: Arverio BW)

Murr (RE 90)

Basis 3:59 min Pünktlichkeit (Quelle: Arverio BW)

SAUBERKEIT

Die Bewertung der Sauberkeit kommt durch unabhängige Qualitätstester der NVBW zustande, bewertet werden das Fahrzeugäußere und -innere, als auch die Toilettenverfügbarkeit. Beim Thema Sauberkeit liegen die Arverio-Netze bereits bisher in der oberen Hälfte aller Netze in Baden-Württemberg. Im ersten Halbjahr 2025 hat sich Arverio im Vergleich zu den anderen Netzen weiter verbessert.

Arno Beugel erklärt: „Die Sauberkeit ist ein Dauerthema. Da wir mit dem früheren Reinigungsdienstleister nicht zufrieden waren, haben wir diesen zum 01. Juli 2025 gewechselt. Die Reinigungsdienstleistungen wurden dabei deutlich ausgeweitet. Bereits in den ersten Wochen und Monaten zeigte sich, dass die Reinigungsqualität dadurch noch weiter nach oben geht.“

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Sauberkeits-Bewertung aller Netze im Qualitätsranking in Baden-Württemberg.

    (Quelle: Arverio BW)

    BAUSTELLENMISERE

    Auch für Arverio sind Bauarbeiten wichtig und richtig, damit die Schienen-Infrastruktur in einem guten Zustand ist. Baustellen haben stets Auswirkungen auf Pünktlichkeit, Zugausfälle, Zugkapazitäten, WC-Verfügbarkeit, Sauberkeit der Fahrzeuge sowie die Fahrgastinformation. Hinzu kommt, dass Umleiterverkehre durch Baustellen auf anderen Strecken die bereits dicht befahrenen Arverio-Linien belasten und weitere Beeinträchtigungen für Fahrgäste und für Arverio als Unternehmen mit sich bringen. Allerdings kann Arverio all dies nicht beeinflussen: weder die Baustellen der DB InfraGO, noch deren Auswirkungen.

    Wie groß die Beeinträchtigungen für die Arverio-Fahrgäste infolge Baustellen im ersten Halbjahr 2025 waren, zeigen folgende Zahlen

    • Im Netz MEX 13 / MEX 16 sind 6,2 % aller gefahrenen Zugkilometer durch Baustellen entfallen.
    • Im Netz RE 1 / RE 8 sind 5,1 % aller gefahrenen Zugkilometer durch Baustellen entfallen.
    • Im Netz 3a (RE 90) sind 9,4 % aller gefahrenen Zugkilometer durch Baustellen entfallen.

    Es gab in ersten Halbjahr 2025 bei Arverio Baden-Württemberg keinen Tag ohne Baumaßnahme, es gab jedoch im Februar „immerhin“ zweieinhalb Wochen, wo sich die baustellenbedingten Zugausfälle unter fünf pro Tag bewegt haben.

    Noch weitreichender zeigen sich die Auswirkungen durch viel zu spät übermittelte Fahrplandaten (Fahrplananordnungen) des Netzbetreibers DB InfraGO. Leider gibt es inzwischen keinen geordneten Verlauf der Ankündigung und Planung von Baustellen gemäß den Netznutzungsbedingungen mehr. Im gesamten ersten Halbjahr 2025 gab es keine einzige Baustellenplanung, die fristgerecht übermittelt wurde.

    Arverio erklärt, weshalb die zu spät kommunizierten Baustellenfahrpläne von DB InfraGO so weitreichende Auswirkungen haben:

    • Eine geordnete, korrekte und rechtzeitige Fahrzeugumlauf- und Dienstplanung ist unter diesen Umständen nicht möglich. Personalbedingte Zugausfälle sind teilweise drauf zurückzuführen, dass die Dienste nicht mehr rechtzeitig vergeben werden können.
    • Zugkapazitäten können nicht optimal geplant werden und es kommt zu sogenannten Schwächungen, das bedeutet, dass kürzere Züge mit weniger Sitzplätzen eingesetzt werden müssen.
    • Auch unsere Dienstleister für Reinigung sowie Ver- und Entsorgung der Zugtoiletten können so kurzfristig ihre Planungen nicht mehr anpassen; schlecht gereinigte Fahrzeuge mit nicht funktionierenden Toiletten sind die Folge.
    • Kurzfristige Baustellenverlängerungen durch die DB InfraGO können nicht „sauber“ in der Fahrgastinformation kommuniziert und geplant werden. Das führt zu fehlendem Schienenersatzverkehr, Zugausfällen und Verspätungen.
    • Ein durchdachter, adäquater Busersatzverkehr, die Abstimmung mit den parallel betroffenen EVU und eine rechtzeitige Information der Fahrgäste sind unter solchen Bedingungen nicht möglich.
    • Manche Baustellen überschneiden sich mit bereits in Planung befindlichen Baumaßnahmen, so dass die bereits vorgenommenen Planungen erneut überarbeitet werden müssen. Das führt dann zu der Situation, dass wir unseren Fahrgästen manchmal täglich wechselnde Fahrpläne zumuten müssen.
    • Zusätzlich erschwert wird die Fahrgastinformation dadurch, dass Fahrplanänderungen vom Europäischen Fahrplanzentrum (EFZ) nur zweimal die Woche mit 2 Tagen Vorlauf angenommen werden. Die DB InfraGO kündigt Änderungen aber oft nur mit wenigen Tagen an – dann müssen die Änderungen für jeden Zug händisch eingepflegt werden, was nicht nur Zeit kostet, sondern auch eine zusätzliche Fehlerquelle ist.
    • Die Anzahl der von Bauarbeiten betroffenen Züge auf dem Schienennetz der DB ist derzeit etwa doppelt so groß wie noch vor fünf Jahren. Wir haben unsere Planungskapazitäten deutlich erhöht – doppelt so viele Planer:innen, die das alles organisieren und vorbereiten sollen, gibt es leider nicht.






    Kontakt

    Arverio Baden-Württemberg GmbH

    Daniela Birnbaum, Pressesprecherin (Ansprechpartnerin für Medienanfragen)