Seit 2019 betreibt Arverio Baden-Württemberg drei Netze mit fünf Nahverkehrslinien und jährlich rund 10,8 Millionen Zugkilometern, bei kontinuierlich steigenden Fahrgastzahlen. Am 11.08.2025 erhielt Arverio vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg den Zuschlag für das neue Schienenpersonennahverkehrsnetz 35b. Der Verkehrsvertrag läuft von Dezember 2026 bis Dezember 2040, die Vorlaufzeit bis zur Inbetriebnahme ist außergewöhnlich kurz. Fünf Nahverkehrslinien nehmen in verschiedenen Inbetriebnahmestufen ihren Verkehr auf. Mit der vollständigen Betriebsaufnahme von Netz 35b erhöht sich die jährliche Verkehrsleistung um rund 10,3 Millionen Zugkilometer. Damit verdoppelt sich die Gesamtleistung des Unternehmens – Arverio wird zum größten nicht bundes- oder landeseigenen Eisenbahnverkehrsunternehmen in Baden‑Württemberg.
Diese Entwicklung ist ein bedeutender Schritt: für die nachhaltige Mobilität im Land, für die Fahrgäste – und für die Zukunft von Arverio.
Die nachstehenden Informationen spiegeln den Stand Juni 2026 wider. Veränderungen sind angesichts der Komplexität des Projektes und aufgrund externer Einflüsse jederzeit möglich.
Ein hochkomplexes Vorhaben
Die Einführung von Netz 35b fällt in eine Phase umwälzender Veränderungen im Schienenpersonennahverkehr von Baden-Württemberg. Die Inbetriebnahme von Netz 35b sollte zeitgleich mit dem Start von „Stuttgart 21“ erfolgen.
Gravierende Umplanungen im Monatstakt
Der Planungsstand von Arverio war Ende 2025, zum 13.12.2026 folgenden Zielzustand zu erreichen bzw. umzusetzen
- Start der kompletten ersten Inbetriebnahmestufe 1 (IBN 1) von Netz 35b
- Einsatz der ersten neuen Doppelstockfahrzeuge des Typs Coradia Max auf Netz 35b
- „Stuttgart 21“ geht in Betrieb, inklusive Umstellung von Kopfbahnhof zu Tiefbahnhof sowie erfolgter Umbau zum „Digitalen Knoten Stuttgart“
- Neuzuschnitt der bestehenden Arverio-Linien infolge Umstellung des Kopfbahnhofes in den Durchgangsbahnhof und Inbetriebnahme Stuttgart 21
- Abgeschlossene ETCS-Umrüstung aller 66 Flirt-Fahrzeuge, nach vier Jahren mit verschiedenen Ersatzflotten im Einsatz.
Welchen gravierenden Veränderungen die Planungen zu Stuttgart 21, ETCS-Umrüstung, sowie Neufahrzeuge unterworfen sind, zeigt, wie sich für Arverio die Situation nur wenige Monate später darstellt.
Zielzustand am 13.12.2026 (Stand Juni 2026)
- Start der ersten Inbetriebnahmestufe 1 (IBN 1) von Netz 35b, modifiziert infolge Verschiebung der Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs
- Die neuen Doppelstockfahrzeuge des Typs Alstom Coradia Max auf Netz 35b sollen ab 2027 sukzessive in den Einsatz gehen
- „Stuttgart 21“: Die Inbetriebnahme verschiebt sich auf 12.2031 (Presseerklärung), inklusive Umstellung von Kopfbahnhof zu Tiefbahnhof sowie erfolgter Umbau zum „Digitalen Knoten Stuttgart“
- Anpassung der bestehenden Arverio-Linien im Hinblick auf die Inbetriebnahme des neuen Netzes 35b
- Die ETCS-Umrüstung und Zulassung der 66 Flirt-Fahrzeuge dauern an.
Was ist der „Digitale Knoten Stuttgart“?
Der Digitale Knoten Stuttgart ist ein bundesweit einzigartiges Innovationsprojekt.
Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg zeigt in einem anschaulichen Youtube-Video, wie der Digitale Knoten Stuttgart (DKS) funktioniert und welche Vorteile er – langfristig betrachtet – bieten soll.
Warum werden Züge auf ETCS umgerüstet?
Arverio Baden-Württemberg betreibt seine Zuglinien bisher mit Fahrzeugen des Typs StadlerFlirt. Dies sind geleaste Schienenfahrzeuge der SFBW, der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg. Der Fahrzeugeigentümer SFBW lässt bis zur Inbetriebnahme von „Stuttgart 21“ alle Züge auf die ETCS-Sicherungstechnik umrüsten, damit sie technisch für den Digitalen Knoten Stuttgart vorbereitet sind. Während der mehrjährigen Phase der Fahrzeugumrüstung stellt die SFBW-Ersatzfahrzeuge zur Verfügung, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auch wenn sich die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 verzögert, muss die ETCS-Umrüstung wie geplant noch 2026 abgeschlossen werden, da die Ersatzfahrzeuge danach auf anderen Strecken in Baden-Württemberg benötigt werden.
Weshalb fährt Arverio mit Ersatzfahrzeugen?

Ersatzfahrzeuge bei Arverio: Mireo, Talent, TRI (Bilder: Arverio)
Damit die Arverio-Züge des Typs Flirt für die ETCS-Umrüstung aus dem Betrieb genommen werden können, setzt Arverio seit Ende 2022 verschiedene Ersatzflotten ein, die ihr von der SFBW bereitgestellt werden.
Von Ende 2022 bis Ende 2025 waren mehrere Fahrzeugumläufe mit eingeschränkt barrierefreien lokbespannten Altfahrzeugen des Unternehmens TRI auf der Remsbahn (MEX 13) Frankenbahn (RE 8) und Murrbahn (RE 90) unterwegs; auf der Murrbahn sind sie aufgrund der dortigen Bahnsteighöhen auch im Jahr 2026 weiterhin unterwegs.
Seit Juni 2025 werden auf dem RE 8 auch moderne Ersatzfahrzeuge des Typs Alstom Talent 3+ eingesetzt, seit Dezember 2025 sollten auf dem RE 8 ausschließlich Ersatzfahrzeuge des Typs Talent 3+ fahren. Aufgrund anhaltender technischer Probleme bei den Talent-Fahrzeugen fuhren dort zeitweilig auch Flirt-Fahrzeuge, seit Juni 2026 sind auch Mireo-Fahrzeuge im Einsatz.
Im Februar 2026 nahm die dritte Ersatzflotte auf dem MEX 13 nach und nach den Betrieb auf, mit Neufahrzeugen des Typs Siemens Mireo.
Für Arverio bringt der Einsatz von insgesamt vier verschiedenen Fahrzeugtypen einige Hindernisse mit sich, die sich auch auf den Fahrgastbetrieb auswirken. Im laufenden Betrieb wurden bzw. werden die Fahrpersonale auf ETCS-Technik geschult. Zudem erhalten sie Fahrzeugschulungen auf Talent- und Mireo-Fahrzeugen sowie auf die künftigen Fahrzeuge für Netz 35b, die Neufahrzeuge Alstom Coradia Max.
Die verschiedenen Fahrzeugtypen der Ersatzflotten sind nicht miteinander kuppelbar bzw. nicht gegeneinander austauschbar. Das erschwert die operative Planung und führt zeitweise zu Minderkapazitäten. Selbstverständlich hat Arverio trotz dieser Rahmenbedingungen stets eine möglichst stabile Betriebsqualität im Blick.
Warum fährt Arverio im Netz 35b mit Coradia Max?

Coradia Max (Bildrechte: Verkehrsministerium Baden-Württemberg)
Für das Netz 35b hat das Land über die SFBW moderne Doppelstockfahrzeuge des Typs Coradia Max bestellt. Sie bieten mehr Kapazität, zeitgemäßen Komfort und sind technisch auf die Zukunft des Schienenverkehrs im Land ausgerichtet. Wann die Alstom Coradia Max auf Netz 35 in den Betrieb genommen werden können, ist derzeit (Juni 2026) noch offen.
Welche Strecken fährt Arverio ab Dezember 2026?
Zum Fahrplanwechsel am 13.12.2026 verändert sich der Zuschnitt der bisherigen Linien von Arverio Baden-Württemberg, das sogenannte Bestandsnetz. Die Linienverläufe und die Linienbezeichnungen ändern sich damit teilweise. Im Bestandsnetz werden auch weiterhin die Fahrzeuge des Typs Flirt eingesetzt, die dann mit ETCS ausgerüstet sein werden.
Gleichzeitig sollen sich auch strukturelle Verbesserungen ergeben. Der Fahrzeugeinsatz wird vereinheitlicht, so sind die Fahrzeuge meist ganztägig in Doppeltraktion vorgesehen. Das sogenannte Stärken bzw. Schwächen der Fahrzeuge untertags soll vermieden werden, daraus ergeben sich neben mehr Sitzplätzen auch zeitliche und betriebliche Vorteile, die sich in einer besseren Betriebsqualität niederschlagen sollen.
Zudem sollen Teile des neuen Netzes 35b ihren Betrieb aufnehmen. Da der Stuttgarter Tiefbahnhof (Stuttgart 21) zu diesem Zeitpunkt noch nicht betriebsbereit sein kann, können Fahrten nicht wie ursprünglich geplant durchfahren, sondern müssen im Kopfbahnhof wenden oder erhalten einen anderen Endbahnhof.
Nach aktuellem Stand (Juni 2026) wird Arverio Baden-Württemberg ab Dezember 2026 folgende Linien befahren:

Copyright: Arverio
Arverio wächst – und sucht Verstärkung
Mit dem neuen Netz 35b entstehen zusätzliche Einsatzgebiete, neue Aufgaben und langfristige berufliche Perspektiven. Bewerber:innen erhalten auf dieser Seite einen transparenten Einblick in die Entwicklungen und die Zukunft von Arverio.
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